Fehlzeiten und das psychosoziale Klima in der Organisation.

Sagt das organisationale Klima heute die krankheitsbedingten Fehlzeiten des nächsten Jahres vorher? Wir verglichen in einem großen produzierenden Unternehmen über mehrere Standorte hinweg die Benchmark der Abteilungen mit den günstigen psychosozialen Arbeitsbedingungen mit dem Rest. Wenn sich das Betriebsklima abkühlt, regnet es im Jahr darauf Arbeitsunfähigkeit.

Die Fehlzeiten ziehen mit den Meistern um. Das ist eine Erfahrungsweisheit von Produktionschefs. Aber hält das einer wissenschaftlichen Analyse stand? In Langzeiteinzelbeobachtungen fanden dänische Arbeitswissenschaftler schon vor gut 10 Jahren, dass ungünstige psychosoziale Rahmenbedingungen der Arbeit rund ein Drittel der Fehlzeiten verursachen. Die AOK befragte ihre Versicherten vor einigen Jahren nach dem Betriebsklima. Wer über ein schlechteres Betriebsklima berichtete, war auch häufiger krankgeschrieben. Aber Moment mal: könnte nicht auch sein, dass eben bestimmte Beschäftigte eher „schlecht drauf“ sind, auch ihre Arbeitsumgebung als ungünstiger erleben und sich leichter für eine Krankschreibung beim Arzt einfinden?

Ein großes Unternehmen aus der Automobilbranche wollte es genau wissen. Wir haben darum nicht die Fehlzeiten der Einzelpersonen angeschaut, sondern die Fehlzeiten pro Abteilung und haben als bestmögliche Aussage über das tatsächliche Betriebsklima und die psychosozialen Arbeitsbedingungen, welche die durchschnittlichen Antworten aller Beschäftigten aus der Abteilung berechnet. Und es zeigt sich: verglichen mit dem besten Viertel aller Abteilungen haben diejenigen mit ungünstigeren psychosozialen Arbeitsbedingungen im Folgejahr 48 % höhere Fehlzeiten. Wir können sogar die zukünftigen Fehlzeiten aus den richtigen Fragen genauso gut Vorhersagen wie aus der Kenntnis aller medizinischen Befunde und Sachverhalte und der Kenntnis der aktuellen Fehlzeiten.

Das wissenschaftliche Manuskript zu diesen Daten ist aktuell bei einer englischsprachigen Fachzeitschrift zur Beurteilung durch andere Wissenschaftler eingereicht. In den kommenden Monaten werden wir für psyGA einen leichter verständlichen Monitor verfassen, den Sie auf der Website der Initiative Neue Qualität der Arbeit beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales herunterladen können.